Unser Ressort “Entwicklungszusammenarbeit” heißt jetzt “Internationale Zusammenarbeit”

Ist es Dir schon aufgefallen? Wir haben das Ressort “Entwicklungszusammenarbeit” in “Internationale Zusammenarbeit” umbenannt und das hat einen einfachen Grund: Der Entwicklungsbegriff ist kritisch behaftet. Wenn Du dich fragst warum, dann lies hier weiter.

Ein geschichtlicher Rückblick

Bei Entwicklung denken wir häufig zuerst an Fortschritt und an eine Verbesserung der Lebensqualität. Somit klingt der Begriff zunächst einmal positiv. Problematisch wird es, wenn wir uns die Frage stellen, wer bestimmt, was und wer als entwickelt und unterentwickelt gilt; auch wird bestimmt, was einen hohen Lebensstandard ausmacht und was nicht.

Geschichtlich betrachtet entstand der Entwicklungsbegriff zu Zeiten der Aufklärung und des Kolonialismus. Mit der Einteilung entwickelt/unterentwickelt wurde die “Zivilisierung unzivilisierter Völker” zur Legitimation des kolonialen Projekts europäischer Mächte. Gleich des Diskurses der “Zivilisierung unzivilisierter Völker” folgt die Entwicklungsrhetorik einer eurozentrischen Weltanschauung. Das bedeutet, dass Europa und Nordamerika bestimmen, was einen hohen Lebensstandard ausmacht und was erstrebenswert ist. Sie begeben sich somit in eine paternalistische Position mit dem Ziel der “Entwicklung der Unterentwickelten”.

Die heutige Situation

Eine Gruppe von Menschen sitzt um einen Tisch herum und legen die Hände aufeinander.

Dieser Diskurs wird bis heute in der “Entwicklungspolitik” fortgeführt. Die westlich bestimmte Welt zwingt den “weniger entwickelten” Länder ihre politischen und wirtschaftlichen Vorstellungen auf, ohne dabei lokale Werte zu berücksichtigen. Dabei wird ebenso die Komplexität von Entwicklung außer Acht gelassen. Andere Wege, sich zu entwickeln, sowie andere Ansichten, was entwickelt bedeutet, werden vernachlässigt.

Um ein Zusammenarbeiten auf Augenhöhe zu ermöglichen, möchten wir den Begriff “Internationale Zusammenarbeit” verwenden. Auch wenn uns bewusst ist, dass das Ändern eines Begriffs nicht automatisch zu mehr Gleichberechtigung führt, umgehen wir so die Problematik des Entwicklungsdiskurses. An Stelle des Begriffs Entwicklung kann Transformation stehen. Veränderungen sind durchaus auch positiv und deshalb sollten sie auch unterstützt werden. Transformation ermöglicht es, Veränderungen zu unterstützen, ohne bestimmte Richtungen und Ziele vorzugeben.

Quellen:

Bendix, Adam / Ziai, Aram (2015): “Quallige Verwicklungen. Zur Kritik an dem Begriff “Entwicklung”” in: Friedensforum Ausgaben, 2/2015.

Brooks, Andrew (2017): The End of Development, A Global History of Poverty and Prosperity. ZED Books, London.

 

Vielen herzlichen Dank an Thirdman für das Foto aus pexels!