Problembeschreibung

Das gesellschaftliche Problem und unser Lösungsansatz


Wir leben in unruhigen Zeiten. Die weltweite ökologische Krise, die Finanzkrise, Kriege, Hunger und Armut oder aktuell die Flüchtlingskrise verlangen zunehmend nach gesellschaftlichen Veränderungen. Wir alle sind daher herausgefordert, eine menschliche Gesellschaft der Zukunft mitzugestalten. Hochschulen nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein. Sie sind aufgefordert im Sinne einer University Social Responsibility Lösungen für drängende gesellschaftliche Probleme hervorzubringen und diese transparent gegenüber Politik und Gesellschaft zu kommunizieren. Als Bildungsinstitution sind sie dazu verpflichtet, Studierende zu befähigen als mündige BürgerInnen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen zu können.

Dem studentischen Engagement kommt in diesem Diskurs eine besondere Rolle zu. Im Engagement lernen Studierende Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft mitzugestalten. Als dazugehörig und förderlich für eine plurale und partizipative Hochschulkultur wird das Engagement vielerorts zwar durch entsprechende Anlaufstellen für studentisches Engagement unterstützt, der Zustand der studentischen Mitbestimmung und Mitgestaltung bleibt jedoch in der Regel schwach.

Seit es Studierendenausschüsse oder -parlamente an Universitäten und Hochschulen gibt, nutzen Studierende demokratische Institutionen, um auf Verbesserungen im Bereich der vorherrschenden Lehre, Forschung und der Studienstrukturen hinzuwirken. Gleichzeitig ist der Einfluss politischer Hochschulgruppen an den meisten Hochschulen nicht groß. Der in den 1960er Jahren begonnene Demokratisierungsprozess, der eine Drittelparität zwischen ProfessorInnen, AssistentInnen und Studierenden in den wichtigen Gremien zum Ziel hatte, ist an deutschen Hochschulen schon lange zum Erliegen gekommen.

Der schwache Zustand der studentischen Mitbestimmung hat aber vor allem systemische Gründe. Im Gegensatz zur Professorenschaft unterliegt die Studentenschaft einer weitaus größeren Fluktuation. Mit dem Studienabschluss geht in der Regel wertvolles Wissen verloren, bis die nachfolgenden hochschulpolitisch Engagierten das nötige Wissen erworben und entsprechende Netzwerke aufgebaut haben, um Hochschulpolitik effizient mitgestalten zu können. Meist befinden sich die Studierenden dann schon wieder in den letzten Zügen ihres Studiums. Eine notwendige Professionalisierung der klassischen studentischen Mitbestimmung erscheint kaum realisierbar. Die Verkürzung der Studienzeit durch die Einführung von Bachelor und Master erschwert die Lage zusätzlich.

In der Praxis schwankt der Grad der institutionellen Förderung des studentischen Engagement erheblich und bleibt nicht selten hinter den Ansprüchen zurück. Oftmals hängt die tatsächliche Unterstützung von einzelnen DozentInnen oder MitarbeiterInnen ab und bezieht sich nur auf einzelne Initiativen und Projekte. Während auf der einen Seite die Hochschulen selbst häufig kaum Kenntnis über die Vielfältigkeit des Engagements haben, wissen andererseits auch die Engagierten oftmals kaum von entsprechenden Einrichtungen und Unterstützungsangeboten an ihren Hochschulen. Hinzu kommt, dass Engagement und Ideen der Studierenden oftmals spontanen und kurzfristigen Charakter besitzen. Durch die begrenzte Studienzeit, aufgrund unzureichenden Wissens oder einem zu niedrigen Organisationsgrad ist es vielen vielversprechenden Initiativen trotz großen Engagements nicht möglich, langfristig ihre Wirkung auf Hochschule und Gesellschaft entsprechend zu entfalten.

Nicht zuletzt ist aus erziehungswissenschaftlicher Sicht das selbstbestimmte und selbstorganisierte Lernen wünschenswert. Die vorherrschende Pädagogik an Hochschulen fördert dieses allerdings nur unzureichend.